Grabbe-Gymnasium Detmold

Gesamtübersicht Index A - Z
Sie sind hier: > Science Olympiade > 2014

2014

Eine Woche in Merseburg

Bundesfinale der Junior Science Olympiade

Eine Chronik von Helene Wetter

Montag, 6. Oktober 2014

Um zehn Uhr startete mit Spannung die 6-stündige Reise nach Merseburg mit dem Zug. Bei der Anreise zum Check-Inn Hotel traf ich schon eine weitere Teilnehmerin des Bundesfinales der InternationalJuniorScienceOlympiade (IJSO). In der Hotellobby traf ich auf weitere der 45 Teilnehmer, die vergeblich versuchten, sich ins W-LAN einzuloggen. Meine Zimmernachbarin war schon da, weshalb ich keinen Schlüssel bekam, sondern einfach am Zimmer klopfte. Dieser Moment war voller Aufregung - eine unbekannte Person, mit der ich nun fünf Tage in einem Zimmer leben muss. Was für ein Zufall, sie hieß auch Helene, kam aus Brandenburg und war mir gleich sympathisch. Wir unterhielten uns einige Zeit und richteten das Zimmer etwas ein. Um 17:15 Uhr trafen sich alle Teilnehmer im Seminarraum des Hotels. Es herrschte Stille, weil jeder jedem noch so fremd war, aber Helene und ich hatten uns schon angefreundet und einige andere Zimmernachbarn auch. Beim Reingehen bekamen wir schon die Teilnahmebestätigung und ein Namensschild, das wir immer dabei haben sollten, wie uns in der folgenden Begrüßung und Besprechung erklärt wurde. Nach dem Abendessen ging ich mit drei weiteren Mädchen die Stadt erkunden. Es wurde schon etwas dunkel, wir kannten uns nicht aus, und landeten letzten Endes auf einer Halbinsel, von der man aber das schön beleuchtete Schloss von Merseburg sehen konnte; ein schöner Abschluss des ersten Tages.

Dienstag, 7. Oktober 2014


Um 8:30 Uhr ging es mit dem Bus zur Hochschule Merseburg (HoMe). Unter verwunderten Blicken der Studenten wurden wir in den Hörsaal geführt. Jedem wurde, nach Nachnamen sortiert, eine Nummer zugeordnet. Ich war Nr. 44, saß deswegen in der letzten Reihe und hatte einen tollen Überblick. Wir durften nichts von uns selbst benutzen und bekamen sogar eine Federmappe mit Taschenrechner und zugehöriger Anleitung. 75 Minuten schrieben wir zuerst eine Multiple-Choice-Klausur und nach einer kurzen Pause ebenfalls 75 Minuten lang eine Klausur mit Theorie-Aufgaben in allen drei Naturwissenschaften (Biologie, Physik, Chemie). In Bio ging es um Photosynthese und Krankheitserreger; Chemie war über Sauerstoff-Lieferanten beim Tauchen (z. B. Sauerstoffkerzen) und um Schwarze Raucher im Ozean, und Physik behandelte strom-/spannungsrichtige Schaltungen und den osmotischen Druck zusammen mit einer semipermeablen Membran. Nach der Mittagspause trafen wir uns neben dem Labor, wo wir eine kleine Einführung bekamen und uns Dreiergruppen zugewiesen wurden. In diesen Laborgruppen lernten wir an Übungsaufgaben einige experimentelle Arbeitstechniken kennen. Durch Titration von Natronlauge bestimmten wir die Konzentration von Zitronensäure, ermittelten die Masse in einem Reagenzglas mit kleinen Stahlkugeln durch Messung der Schwingung im Wasser und stellten Kriterien für den besten Milchschaum auf. Ich lernte  mit einer Bürette umzugehen, den Pipettierball zu benutzen und alles auszuwerten. Doch die Zeit lief schnell davon und zum Ende hin musste meine Gruppe einige Experimente überfliegen, denn dann fuhr der Bus schon zurück zum Hotel. Wie jeden Abend besprachen wir den Tagesablauf für den nächsten Tag vor dem Abendessen. Zum Abschluss des Tages konnten wir uns beim Film „Ocean’s Eleven“ amüsieren.

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Heute stand die experimentelle Klausur an, doch bevor es zur Hochschule ging, nahmen einige andere und ich an einer Studie für eine Doktorarbeit teil. Mittagessen gab es in der Mensa der Hochschule, und die restliche Zeit der Mittagspause nutzten wir, um Wörterraten zu spielen. Das klingt sehr langweilig, macht aber Spaß. Skurril war, dass dauernd Fachbegriffe aus Naturwissenschaften oder Elemente aus dem PSE genannt wurden. Dann ging es erst in den Nebenraum des Labors, wo wir uns 30 Minuten in die Klausur einlesen konnten und die Aufgaben aufteilten. Leider war es nicht möglich,  innerhalb der 100 Minuten Experimentierzeit gemeinsam zu arbeiten. Ich übernahm eine Aufgabe, bei der man durch Titration den Calciumgehalt von Milch bestimmen sollte und anschließend mit Hilfe einer Nahrungsmitteltabelle Empfehlungen unter verschiedenen Aspekten für eine calciumreiche Ernährung aufstellte. Wen die Ergebnisse interessieren: Man müsste ca. 3 ½ Gläser Milch pro Tag  trinken, oder man isst am besten Grünkohl, denn der liefert bezogen auf eine Portionsgröße am meisten Calcium und beinhaltet wenig Fett. Meine Teampartner behandelten das Gesetz für Fell-Wasser- Gemische oder die Wirkung von Laktase-Tabletten. Den Abend ließ ich mit 13 weiteren Personen ausklingen. Wir spielten eine Art „Werwolf“, das aber „Mafia“ hieß und mit altdeutschen Skat-Karten gespielt wurde. Es gab viel zu lachen und die verschiedenen Akzente (z. B. Sächsisch oder Bayrisch) machten es gleich doppelt so lustig. Anschließend gab es die Möglichkeit, ein Hörbuch mit drei Geschichten von Mark Twain zu hören. Echt lustig!

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Heute war der Freizeit-Tag, der aber schon um 7:00 Uhr begann, da der Bus um acht Uhr nach Leipzig abfuhr. Er brachte uns zum Leipziger Zoo (bekannt aus Elefant, Tiger & Co.), über dessen Artenschutzprojekte wir zuerst einen Vortrag hörten. Direkt danach startete unsere Führung. Mit einer 15-Mann Gruppe gingen wir zuerst zu den Elefanten. Dort durften wir hinter die Kulissen schauen und bekamen mehr Informationen. In einer Elefanten-Box zu stehen war schon ein einmaliges Erlebnis. Nach einem Besuch bei den Tigern und Nashörnern hatten wir die Möglichkeit, den Zoo auf eigene Faust zu erkunden. Um halb zwei ging es wieder zurück ins Hotel, denn die Besprechung der Klausuren stand an. Davor wurde noch der Ablauf der Preisverleihung geklärt und wir bekamen T-Shirts, mit denen wir auch direkt ein Gruppenfoto schossen. Die Betreuer, die gleichzeitig Studenten waren und die Klausuren korrigiert hatten, erklärten die Aufgaben mit den häufigsten Fehlern. Dabei kamen einige Fragen zu Fachbegriffen (kritischer Punkt und osmotischer Druck) auf, die wir im kleinen Kreis auf der Busfahrt zur Bowling-Bahn klärten. Dort angekommen gab es erst einmal Abendessen, und unser Tisch verbrachte die Wartezeit mit Ratespielen. Die Bowlingbahn war in Schwarzlicht getaucht und sah mit den Neon-Kugeln, weißen Schuhbändern und der Neon-Brille von meiner Zimmernachbarin echt cool aus. Nach langer Zeit war ich mal wieder Bowlen und man merkte es meinen Künsten an. Zum Ende hin landete fast jede Kugel in der Rille. Doch das Bowlen war irgendwann nur noch Nebensache. Denn uns hatte wieder der Rätsel-Spaß gepackt, bei dem wieder die verschiedenen Herkunftsorte deutlich zu hören waren. Da im Hotel ein Schaden von 300 € entstanden war, mussten wir alle um 22 Uhr auf unserem Zimmer sein. Drei Jungs waren nämlich so schlau gewesen, eine Mücke an der Decke zu töten, indem sie wie beim Parcours die Zimmerwand mit Schuhen hochliefen. Zudem muss man sagen, dass es wirklich nur so von Mücken wimmelte. Mit vielen Stichen kam ich nach Hause zurück.

Freitag, 10. Oktober 2014

Der Tag der Preisverleihung und des Abschieds war gekommen. Um zehn räumten wir die Zimmer und wurden mit dem Bus zum Ständehaus gebracht; ein großes, schönes, altes, edles Haus. Mit musikalischen Beiträgen, einem Grußwort und einem Vortrag  „Die Nobelpreisträger von morgen?“ begann die Preisverleihung. Ohne dass wir gemerkt hatten, für diesen Zweck fotografiert zu werden, wurden Bilder der Woche gezeigt, die auch einige lustige Schnappschüsse beinhalteten. In Gruppen wurden wir dann nach vorne gerufen, bekamen eine Urkunde, den Bewertungsbogen und eine Medaille. Die ersten zehn Plätze kamen zum Schluss. Platz 10-7 war die Ersatzbank und 6-1 werden nach Argentinien zur Internationalen Olympiade fliegen. Im Anschluss gab es einige Snacks im naheliegenden Restaurant und ich erzählte meinem Onkel, meinen Cousinen und Herrn Wischer, die alle zur Preisverleihung gekommen waren, von meiner Woche. Danach verabschiedete ich mich von allen, doch vor der Abreise wurde noch ein Geocache gehoben, einer vergeblich gesucht und ein Eis gegessen. Dann ging es zu meinen Verwandten über die ungewöhnlich roten Straßen, die es hier in der Region wohl häufiger gibt.
So endete meine schöne Zeit in Merseburg, die ich mit einem mulmigen Gefühl begonnen, aber mit vielen netten neuen Kontakten und interessanten und lustigen Erlebnissen beendet habe.



Die hippe Wippe

Naturwissenschaft kann unterhaltsam sein - internationale Junior Science Olympiade (IJSO)

Von Hajo Gärtner (Text) und Markus Wischer (Fotos)

Zugegeben: Die Aufgaben könnte ich nicht lösen. Dazu müsste ich mit den Naturwissenschaften so vertraut sein wie die Grabbianer, die erfolgreich an der internationalen Junior Science Olympiade (IJSO) teilnahmen. Ich gehöre nunmal zur Fraktion der Geisteswissenschaftler. Und deshalb verstehe ich den philosophischen Gehalt der ,,launischen Leuchtdioden" weitaus besser und die Vorstellung einer ,,hippen Wippe" versetzt mich geradezu in Begeisterung. Den ,,Koloss von Rhodos" finde ich genau so aufregend wie die Erforschung der These, dass die Augen den Wackelpudding ,,mitessen": Natürlich muss anschließend der Blutzuckerspiegel vermessen werden. Und wer gibt keine Milch? Fledermaus, Delfin, Känguru oder der watschelige Pinguin? Weiß ich: der Pinguin. Er würde seine Milch ja auch verschütten.

Nun, ich würde nicht gut aussehen bei dieser Wissenschafts-Olympiade der Jungforscher. Das muss ich auch nicht: Erstens bin ich etwas über der zulässigen Altersbegrenzung, und zweitens  repräsentieren die Jungforscher vom Grabbe unsere Schule fantastisch (Altersbegrenzung im Wettbewerb: 15 Lebensjahre).

In der ersten Runde traten sie gegen rund 4000 Konkurrenten aus dem deutschen Teilnehmerfeld an. Sie mussten drei praktische Aufgaben aus den Bereichen Biologie, Chemie und Physik lösen. ,,Dabei kamen sie dem Geheimnis der roten Socken" auf die Spur. In der zweiten Runde wurden rund 20 Grabbianer in einer 90minütigen Klausur mit launischen Leuchtdioden und der hippen Wippe konfrontiert. Von bundesweit 600 Jugforschern in der 2. Runde schaffte eine Grabbianerin den Zugang zu Level 3: Helene Wetter. Runde 3 bedeutet für Helene: im Oktober antreten an der TU in Merseburg zum Bundesfinale in einem Teilnehmerfeld von 45 sehr klugen Köpfen; eine Woche lang experimentieren, evaluieren, Aufgaben lösen. Wenn Helene gegen diese Konkurrenz bestehen sollte, wartet anschließend eine Woche Olympiavorbereitung am IPN (Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften) in Kiel auf sie. Am Ende treten 6 Schüler als Repräsentanten Deutschlands bei der Olympiade in Sri Lanka an.

Der in zwei Runden erreichte Erfolg macht die beteiligten Grabbe-Lehrer jetzt schon stolz; mit gutem Grund.



Das Geheimnis
der roten Socken

Wollsocken wärmen die Füße. Wissen wir. Aber wie stark ist der Effekt?  Das wollten Jungforscher vom Grabbe-Gymnasium genau wissen und machten einen  entsprechenden Versuch. Mit freudigem Eifer färbten die Grabbianer dann  noch bei unterschiedlichen Temperaturen Wollfäden mit Malventee und  Rotebeete-Saft ein, um sie anschließend wieder unter bestimmten Bedingungen  auszuwaschen. Wir wissen nicht, was die Forscher am Ende  herausbekommen haben. Aber mit dem wissenschaftlichen Versuchsaufbau und  den gesicherten Ergebnissen nehmen sie an der zweiten Runde der »Internationalen Junior Science Olympiade (IJSO)« teil. Die IJSO ist  ein internationaler Wettbewerb zur Förderung der Nachwuchstalente in den  Naturwissenschaften Biologie, Chemie und Physik.  Am Ende werden 6  Schüler ausgesiebt, die das deutsche Team bei dieser  Wissenschafts-Olympiade in Sri Lanka vertreten. Grabbe-Lehrer Markus Wischer gibt  sich aus Spaß selbstbewusst: »Natürlich sitzen wir mit im Flugzeug.« Warum? »Wir haben die wärmsten und rotesten Socken an.«

                       

Bilder zum Thema =>    Sonntag, 1. Juni