Interpretationen

Interpretation

Der Biedermann in uns

Von Benedikt Bühner

Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“, soll uns Leser dazu bringen, über uns selbst nachzudenken. Der Leser soll Biedermanns Verhalten kritisch beurteilen, aber auch überlegen, ob er die Brandstifter vor die Tür gesetzt hätte. Frisch will uns überzeugen, dass eben nicht alles nur Schicksal ist, sondern viele Katastrophen menschlichen Ursprungs sind. Der Leser soll sich gewissermaßen in Biedermann wieder finden und so eigene Fehler sehen und korrigieren.

Jedermann ist also ein Stück weit Biedermann.

Das Buch soll die Menschen zu frühzeitigem Handeln motivieren, dazu, das Leben nicht als eine Reihe von Fügungen zu betrachten, sondern selbst aktiv zu hinterfragen. In „Biedermann und die Brandstifter“ finden sich Situationen, die sich auf historische Ereignisse oder ähnliches Übertragen lassen.
So könnte der Brand von Seldwyla z.B. auf die Zerstörung Hiroshimas übertragen werden. Die Brandstifter erlangen im Laufe der Geschichte immer mehr Macht über Biedermann. Obwohl er von ihrem Vorhaben weiß und sie ihn nie darüber belügen, will er lange Zeit nicht daran glauben. Er hält, um sich selbst zu beruhigen, die Brandstifter für Komiker, die ihn an der Nase herumführen wollen. Kurz vor dem bitteren Ende hofft er noch, die Brandstifter zu seinen Freunden machen zu können und lebt in der naiven Vorstellung, dass sie ihn in Ruhe lassen würden, wenn er sich mit ihnen arrangiert.

Dieses „Augen verschließen“ und „Sich arrangieren“, als die Situation nicht mehr abzuleugnen ist, kann ein indirekter Hinweis auf die Machtergreifung Hitlers sein, der auch nie einen Zweifel an seinen Vorhaben ließ. Mit solchen Vergleichen will Max Frisch vielleicht die Feigheit der Menschen anklagen, die dazu führt, dass sie unfähig sind, eine Situation abzuwenden, bevor sie eskaliert. Er will damit zeigen, dass sich das Böse offen zeigen kann, sobald die anderen auf die ein oder andere Weise zu Mittätern geworden sind, oder sonst Dreck am Stecken haben.