Grabbe-Gymnasium Detmold

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2014

Wurzeln in der Kunst geschlagen

Produktionen, Aktionen und Ausstellungsobjekte des Kunst-LK Q2

Von Annegret Niehus-Berkemann

Der Kunst-LK der Q2 besteht aus 18 Schülerinnen und 3 Schülern. Bis zur letzten Minute wurde intensiv in kleinen Gruppen an plastischen Projekten gearbeitet, so dass der Kurs neben Zeichnungen, Malereien, Fotos und Kleinplastiken, die in den letzten zwei Jahren entstanden sind, auch ,,brandneue" Werke in der Wintergalerie und dem Neubau-Foyer präsentiert, die sich mit dem Verhältnis von Figur und Raum befassen. Zu sehen sind fotografisch dokumentierte Experimente mit Stoffschläuchen, in die einzelne Schülerinnen schlüpften und die als lebendige Plastiken auf dem Schulgelände, in der Detmolder Innenstadt oder im Palaisgarten ungewohnte und spannende Formationen ergaben. Diese waren auch Gestaltungsanlass für kleinere Tonplastiken und eine etwa lebensgroße Plastik, die die Schülerinnen aus Papiermachee und einer aufwendigen Unterkonstruktion herstellten. »Offene Geschlossenheit« haben sie diese genannt. Für viel Aufsehen sorgt auch der von der Wand »verschluckte« Mensch, der täuschend echt wirkt. Eine Plastik ist etwas versteckt im Foyer platziert, um deren verhüllten Körper sich Baiser-Lianen aus Bauschaum schlängeln, die sich an den Wänden fortsetzen. Am Ende der Wintergalerie zeigt eine Gruppe ein großes schwarzes Füllhorn, das nahezu »verunglückt« wirkt und aus einem Bild herauszuwachsen scheint, das durch eine reduzierte Anordnung von Linien und Flächen mit unserer Wahrnehmung von Räumlichkeit spielt. Während der Vernissage überzeugte die Installation auch akkustisch.
Die Ausstellung ist den Schülern gelungen und durch ihre Vielseitigkeit unbedingt sehenswert. Es steckt sehr viel Arbeit in den einzelnen Werken sowie in dem Aufbau der Ausstellung. Die Eröffnung wurde musikalisch durch Maries Harfenklänge begleitet. Atmosphärisch war die Vernissage »rund«.

Die Eröffnungsrede hielt Pauline Lévesque:

Willkommen zu unserer Ausstellungseröffnung!
Unsere Ausstellung haben wir »Verwurzelt« genannt. Verwurzelt, Kunst, Kunst-Leistungskurs: Wie passt das zusammen?
Dies soll in der Ausstellung deutlich werden, denn wir haben in der Kunst »Wurzeln geschlagen« und zeigen heute die Ergebnisse unserer praktischen Arbeit von zwei Jahren im Kunst-Leistungskurs.
Wir haben experimentiert, verschiedene Materialien erprobt; versucht, die Dinge, uns selbst und den Raum aus der Perspektive der Kunst zu erfassen und auszudrücken.
Ein Faden führt durch die Ausstellung, der Sie und Euch begleiten soll.
Das Thema der letzten zwei Jahre war »Mensch und Natur«. Mit der Natur haben wir begonnen.
Anfangs haben wir uns zeichnerisch und naturalistisch - das heißt möglichst wirklichkeitsgetreu - der Natur angenähert und sie abgebildet. Dann haben wir unsere Beobachtungen - mal nach dem Zufallsprinzip, mal planvoll - abstrahiert, verzerrt und damit das Wesen der Dinge herausgestellt. In den kleinen fotorealistischen Malereien haben wir uns dem Bildgegenstand genähert, ihn aber gleichzeitig verfremdet.
Nach dem Prinzip des »Action Painting« ist die Farbe selbst zum Bildgegenstand geworden; in kleineren experimentellen Malereien und größeren Arbeiten. Dabei sind wir selber mit unseren Bewegungen und Gesten »voll im Bild« gewesen. Mit unterschiedlichen Methoden und Werkzeugen haben wir Farbe auf das Blatt aufgetragen, beobachtet, wie spannend sie sich verhält, und darauf reagiert.
Später sind wir wieder zur Zeichnung und zum Naturalismus zurückgekehrt, diesmal zum Menschen. Im Stil des Fotorealismus - also der extremen Form des Naturalismus (wie schon in der Malerei) - haben wir Selbstporträts gezeichnet, die eine Aussage über uns selbst artikulieren.
Der Kopf ist auch in den anschließenden plastischen Arbeiten unser Thema geblieben. Wir haben aufbauende und abtragende Verfahren erprobt und uns dann der ganzen Figur zugewandt. Es sind im Unterricht und in der Klausur Kleinplastiken entstanden, die bewegte Momente und Balance ausdrücken.
Zuletzt haben wir zum Thema Großplastik in Gruppen gearbeitet. Hier verläuft sich der Faden, denn jede Arbeitsgruppe hat einen anderen Weg gewählt.
Mit unseren Arbeiten haben wir also, angeregt von Beispielen der Kunstgeschichte und Gegenwartskunst, verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten durchgespielt und gemerkt, was für uns funktioniert und was nicht, welche Wirkung man mit welchen Mitteln erzielen kann, was uns liegt und in welche Richtung es für uns weitergehen kann. Es bleibt offen, was aus den Wurzeln entsteht . . .
Nun möchten wir einladen, dem roten Faden zu folgen und unsere Werke in Ruhe zu betrachten.