Grabbe-Gymnasium Detmold

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Portraits in Serie


Ich sehe was


Von Hajo Gärtner

Portraits, gemalt und gezeichnet, gehören zu den schillernden Facetten der Kunst. Denn in diesen vermeintlichen Abbildern der Wirklichkeit begegnet der Betrachter verständlichen und gut nachvollziehbaren Interpretationen eben dieser Realität.  In der Wintergalerie ist zurzeit eine Ausstellung von Schülerarbeiten aus dem Kunstunterricht der Klasse 7k  zu sehen. Der kunstinteressierte Betrachter stößt auf Graphit- und Kohlezeichnungen, die auf höchst unterschiedliche Art das Thema Portrait und Selbstportrait variieren. Die Ausstellung zeigt in chronologischer Reihenfolge zahlreiche Beispiele für die im Unterricht vermittelten und erprobten Zeichenmethoden, die den Schülern helfen, ihre Wahrnehmungsfähigkeit einerseits und die zeichnerische Ausdrucksfähigkeit andererseits deutlich zu erweitern. Die Arbeiten sind noch bis Mitte April in der Wintergalerie zu sehen. Kunsterzieherin Maren Bödeker erläuterte den Gästen der Ausstellungseröffnung die Vielfalt des Zugangs zu diesem Thema.

Selbstporträt aus dem Gedächtnis

Zunächst zeichnen die Schüler ihr Gesicht aus dem Gedächtnis. Es entstehen Zeichnungen, die auf der inneren Vorstellung vom Motiv basieren, die sich an Wesentlichem, Gewusstem und am Aufbau des Gesichts orientieren. Die zeichnerische Umsetzung wirkt meist stark vereinfacht, schematisch und fördert im Bildgedächtnis gespeicherte Schemata aus früher Kindheit zutage.


Selbstporträt mit Spiegel

Der erste Versuch, das Gesehene unmittelbar in Zeichnung zu übertragen. Dieser Schritt wird von Schülern zunächst als erleichternd empfunden, hat man nun ein konkretes Gegenüber, ein konkretes Motiv, was es zeichnerisch umzusetzen gilt. Die Möglichkeit präziser Wahrnehmung von Details, Formgegebenheiten, Oberflächenstrukturen etc. wäre also hiermit gegeben. Die entstehenden Zeichnungen vermitteln jedoch noch wenig von dieser Komplexität, sondern ähneln eher in ihrer Vereinfachung und gleichförmigen Linienführung den Zeichnungen aus Phase 1. Die Schüler erkennen, dass das Auge sich weniger mit dem Spiegelbild befasst als mit dem auf dem Blatt Entstehenden. Auch hier werden eher die im Gedächtnis gespeicherten Schemata abgerufen, als dass eine intensive Auseinandersetzung mit dem Motiv erfolgt.


Selbstporträt durch Tasten

Grundlage des Zeichnens ist hier nicht der visuelle Eindruck, sondern die Empfindung, die auf der haptischen und motorischen Erfahrung basiert. Diese bestimmt das innere Bild, die innere Vorstellung mit und wird zeitgleich mit der zeichnenden Hand seismographisch in eine differenzierte Liniensprache umgesetzt. Das Schließen der Augen verstärkt die Konzentration auf fühlbare Qualitäten (Plastizität des Kopfes, Topographie des Gesichts, Höhen und Tiefen, Oberflächenbeschaffenheiten). Der Druck,  ein ,,gutes" Ergebnis erzielen zu müssen, tritt dabei in den Hintergrund.
Die Ergebnisse protokollieren zeichnerisch differenzierte, aber unkoordinierte Suchbewegungen des Stiftes, die aber schon recht genau die Plastizität der Gesichtsteile (Augen, Nase, Mund, Ohr) und deren spezifische Merkmale zeigen.