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Heiner Bremer

"Erregen, begeistern, empören"

    Interview mit dem Journalisten Heiner Bremer

                                                       Von Lisa Korte                                 

Heiner Bremer ist "durch und durch" Journalist: Das Magazin "Stern", der "Axel-Springer-Verlag", das "RTL-Nachtjournal" und n-tv sind einige wichtige Stationen seiner Karriereleiter. Im Rahmen der Jugendpressetage zum "IdeenPark Stuttgart" erzählte er im  Interview mit Grabbe-Online von seinen Anfängen im Journalismus und darüber, wie junge Nachwuchsjournalisten erfolgreich sein können.

Wie haben Sie mit dem Journalismus angefangen?

Ich war selbst Chef einer Schülerzeitung und wir waren sogar ein wenig "aufsässig". Damals mussten wir wegen der Zensur unseres Oberstudiendirektors acht Seiten weniger drucken und haben deshalb einen roten Zettel mit in die Ausgabe gelegt, um auf diese Zensur aufmerksam zu machen. Die Schülerzeitung ist eine gute Ausgangsbasis für den Beruf. Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust hat auch bei der Schülerzeitung angefangen.

Welche Voraussetzungen braucht man, um Journalist zu werden?

Es gibt dafür zwei Voraussetzungen: Neugierde und Beobachtungen. Heute haben die Journalisten jedoch kaum noch Zeit dafür, denn das Bild geht sofort über die Mattscheibe. Man sollte auch den Mut haben, sich von unten hochzuarbeiten und sich selbst vertrauen, "mehr" zu können.

Wie kann man bei der heutigen Vielzahl der Medien erfolgreich sein?

Es gibt fast nur noch Großverlage mit 1000 kleinen Zeitungen, sogenannte "Dachblätter". Man braucht eine Nische, um Erfolg zu haben. Die Journalisten stehen unter einem extremen Druck, denn sie müssen den Massengeschmack treffen. Der Spagat zwischen einer notwendigen, hohen Auflage und hoher Qualität ist wichtig, gelingt aber nicht immer. Der Konkurrenzdruck ist groß und jeder will der Erste sein. Die Glaubwürdigkeit des Berufs leidet. Deshalb muss man die Funktionen eines Journalisten wahren.

Was zeichnet einen guten Journalisten aus?

Für Journalisten ist die Nachricht hinter der eigentlichen Nachricht interessant, also die Zusammenhänge, mit denen man sich auseinandersetzen muss. Der Auftrag eines Journalisten ist es, die Menschen an die Hand zu nehmen und sie zu informieren, so dass sie sich selbst am Ende eine eigene Meinung bilden können. Die Zuschauer müssen sich erregen, begeistern und empören können. Durch Reibung erzielt man eine Reaktion. Nichts ist so langweilig wie eine Geschichte, dir nirgends aneckt und bei der die Menschen am Ende bloß sagen: "Das war nett". Wichtig ist, dass die Öffentlichkeit wachgerüttelt wird.

Welche Ausbildung haben Sie absolviert?

Ich habe Jura studiert und später gemerkt, wie sehr ich in diesem Studium das logische Denken gelernt habe. Beim "Stern" habe ich langsam Karriere gemacht. Dann war ich vier Jahre Kommunikations-Chef beim Axel-Springer-Verlag und bin anschließend zum Fernsehen gegangen, weil ich nicht immer nur "Tutti Frutti" machen wollte. Danach war ich beim RTL-Nachtjournal als klassischem Nachrichtenmagazin.

Welche Themen sind für Journalisten wichtig? Haben auch "einfache" Themen ihren Wert?

Es ist natürlich wichtig, auch mal seichte Filme zu zeigen, denn man muss sich auch mal entspannen dürfen. Wichtig ist es, nie zu vergessen, dass man den Journalismus nicht für sich selbst, sondern für andere betreibt. "Füllt erst die Kirche und fangt dann an zu predigen" ist ein Ausspruch, der gut dazu passt.

Was ist für eine gute Recherche wichtig?

Zur Recherche reichen nicht nur Google und Wikipedia. Für eine gute Recherche braucht man ein Netzwerk von Informanten. Die Quellen müssen geschützt sein. Eine solche Recherche kostet viel Zeit und auch Geld.

Was denken Sie über die BILD-Zeitung?

Als Journalist kommt man an der BILD-Zeitung nicht vorbei. Auch wenn sie nicht die Lieblingslektüre ist, gehört sie zum Job. Jeder Journalist muss sie lesen.

--> Eine kurze Biographie von Heiner Bremer auf der Webseite von n-tv