Grabbe-Gymnasium Detmold

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Poetry Slam Premiere

Ein poetischer Abend

Rund 300 Zuhörer bei der Premiere in der Neuen Aula

Von Hajo Gärtner (Text) & Grabbe TV (Fotos, Videoclips)

Als erstes kommt der Bestatter Raphael. Als Opener klagt er uns außerhalb jeder Wertung sein Leid: Der Manager für Jenseits-Logistik hat kein Glück bei Frauen. Warum: ,,Die wollen endlos diskutieren, aber der Bestatter hat nunmal das letzte Wort." Schwarzer Humor durchzieht seinen 6minütigen Vortrag, immer wieder unterbrochen von herzhaftem Lachern mit teilweise diabolischem Untergrund.  Er könne mit dem geringen Sozialprestige seines Berufs leben, beteuert Raphael; aber nicht damit, dass Politiker auf dem zweitletzten Platz noch vor den Bestattern rangieren.

Sira aus Horn-Bad Meinberg lässt uns am Leiden einer Mathe-Studentin teilhaben: gesellschaftliche Verachtung schlägt ihr überall entgegen, wo sie sich als Mathe-Queen outet. Liebe zu Zahlen: ein perverses Gelüst. Sie wird selbst von der eigenen Familie als Opfer betrachtet und malt deshalb Ls für Loser ins Koordinatensystem. Luc aus Detmold klagt uns ihr Liebesleid: ,,Die Neue und du, ihr seid nur gewöhnlich. Wir waren außergewöhnlich." Da weiß Luke durchaus zu kontern: Ihm geht die weibliche Romantik so richtig auf den Sack. Und wenn er bei einem seiner einsamen Waldspaziergänge ein in die Baumrinde geritztes Herzchen erblickt, ist er fasziniert von dem Gedanken, wie viele Romantiker bei ihrem Rendezvous ein Messer mitführen. Martin aus Lemgo zündet bei seinem Waldspaziergang ein regelrechtes Feuerwerk der Worte: unglaublich, was dieser Poet an Bildern aus einfachsten Beobachtungen herausholt. Atemberaubend die rasante Serie fein gedrechselter Verse, gewissenhaft auswendig gelernt und meisterlich vorgetragen. Zusammen mit der Grabbianerin Sonja erreicht er den zweiten Platz hinter Sira, der gesellschaftlich geächteten Mathe-Studentin.

Neun Slammer sind insgesamt angetreten und haben ihr Publikum begeistert. Allesamt mit durchschnittlichen Wertungen über 7 auf einer Jury-Skala von 1 bis 10. Marc-Oliver Schuster (Katze), Moderator des Abends, sorgte mit seinen launigen und sarkastischen Bemerkungen von Anfang an für Stimmung. So illustrierte er die mögliche Wertung 1,1 mit dem Gefühl, das man beim Warten vor einer Schranke in Lage bekommt, wenn die Zuckerfabrik gerade so richtig vor sich hindampft. Die höchste Punktzahl 10 sollte die Jury in dem Fall vergeben, dass allemann vor maßloser Begeisterung auf der Stelle selbst Poetry Slammer werden. Die höchste und niedrigste Punktzahl wurden aber gar nicht in die Wertung einbezogen, denn die höchste komme vom Lehrer und die niedrigste von der Intim-Feindin. Und trotzdem holte zum Beispiel Martin 9,5 Punkte von den übrigen Juroren.

Das Wagnis der Poetry-Premiere hat der Leo-Club Lippe-Detmold zusammen mit dem Grabbe-Gymnasium unternommen. Der Erlös kommt der Lesebande zugute. Wer das ist? Einfach mal googeln. Und ein Klick auf die Webseite des Leo-Clubs lohnt sich auch. Der würde sich über Leute freuen, die gern mitmachen möchten bei den Club-Abenden und Activities, die auf Unterstützung von benachteiligten, kranken, behinderten und älteren Menschen zielen, aber auch Kindern Spaß und Freude bringen sollen.