Grabbe-Gymnasium Detmold

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2009: American Feeling


Rollkoffer und Rolling Thunder

Tagebuch einer musikalischen Amerika-Reise


Von Maximilian Weiß

Das Detmolder Jugendorchester hat eine sehr schöne und ereignisreiche Reise in die USA hinter sich gebracht. Im Austausch mit dem Jugendorchester der McLean-Highschool, der wenn möglich jährlich am Laufen gehalten wird, waren diesmal wieder die Detmolder zu Besuch in Gastfamilien aus McLean, einem Vorort von Washington DC. Neben den Proben für das gemeinsame Konzert, das am Donnerstag, 28. Mai 2009, in der Schulaula stattfand, standen viele gemeinsame Aktivitäten rund um Washington auf dem Programm, darunter auch Klassenbesuche in der Highschool. Das Jugendorchester unter der Aufsicht des Dirigenten Udo Mönks und den beiden Begleitpersonen Frau Hilbert-Opitz und Frau Hohrath nimmt viele Eindrücke, ein bisschen ,,American-Feeling" und vor allem den Kontakt zu den vielen netten Menschen, die uns dort aufgenommen haben, also die Orchestermitglieder und Gastfamilien mit Eltern, Geschwistern etc., mit nach Hause. Unser besonderer Dank gilt der tollen Organisation auf amerikanischer Seite, die von Eltern übernommen wurde, und der Orchesterleiterin des MHO (McLean Highschool Orchestra), Mrs. Gretta Sandberg, die das Orchester zum Ende dieses Schuljahres abgibt und die diesen Austausch vor vielen Jahren in die Wege leitete.


Donnerstag, 21. Mai, halb zwölf Uhr nachts

Hier beginnt unsere Reise in das Land der unendlichen... naja, Sie wissen schon. Aber auch für amerikanische Verhältnisse ist es sicherlich kein selbstverständliches Ereignis, dass sich um kurz vor Mitternacht ein 50-Mann starke Gruppe mit Rollkoffern in der Hand um einen Reisebus schart, der sich in diesem Fall auf dem Kronenplatz befindet. Doch handelt es sich um eine notwendige Vorsichtsmaßnahme, denn unser Flieger startet in Frankfurt um halb acht - morgens. Also fahren wir mit etwas Verspätung - es muss sich ja noch von den Eltern, Freunden, Oma und Opa verabschiedet werden - los, um dann ein bisschen Wartezeit am Terminal in Frankfurt verbringen zu können. Wir fliegen über Paris und unsere Fluggesellschaft heißt AirFrance - was im Lichte aktueller Ereignisse einen bitteren Nachgeschmack hat. Jedenfalls heißt unser Flug AF028, den wir um Viertel nach zehn starten und - Wunder der Zeitumstellung - um halb eins am selben Freitag in Washington beenden. Leider hinkt der menschliche Körper diesem Wunder noch etwas hinterher, weswegen wir die acht Stunden Flug über den Atlantik leider trotzdem in unseren Knochen haben. Nach Absolvierung amerikanischer Sicherheitsmaßnahmen, inklusive eines persönlichen Gesprächs mit einem Sicherheitsbeamten, findet der Bustransfer zur Highschool statt, wo gleich die Gastfamilien warten und uns in Empfang nehmen, wodurch wir den Rest des Tages mit einer ersten Kontaktaufnahme - ein paar kennen sich auch schon von vergangenen Austauschen - verbringen. Manche nutzen diesen Nachmittag noch, um sich in der Einkaufsmeile Tysons Corner zu verabreden - andere legen sich erstmal ins Bett und schlafen.

Wochenende 23. + 24. + 25. Mai

Drei Tage Wochenende? Richtig, denn wie so oft, wenn wir nach Amerika fahren, treffen wir zum Zeitpunkt eines Nationalfeiertages, des ,,Memorial Day", ein, an dem der im Vietnam-Krieg gefallenen Soldaten gedacht wird und die Kriegsveteranen zu ihren Ehren kommen. Am Samstag nach unserer Ankunft schlafen wir allerdings zunächst aus oder nutzen den Morgen anderweitig. Denn erst um zwölf Uhr mittags (sechs Uhr abends deutscher Zeit) beginnt unsere erste Probe zusammen mit dem McLean Highschool Orchestra. Dieses besteht eigentlich nur aus Streichern, weswegen sich das vordere Feld des Orchesters nun mindestens verdoppelt hat. Die Bläsergruppe im Hintergrund muss aber nicht ganz ohne amerikanische Unterstützung auskommen, denn es haben sich noch Schüler der Highschool gefunden, die Fagott, Posaune und Horn spielen können. Nach Ende der Probe um drei Uhr erwacht in den Verantwortlichen langsam die Erkenntnis: Die Stücke sind schwer... brauchen wir vielleicht sogar noch Verstärkung? Noch in dieser Nacht werden erste Telefongespräche geführt...
Doch diese spannenden Vorgänge geschehen ganz unter Ausschluss der Orchestermitglieder, die sich währenddessen in ihren Gastfamilien gestärkt haben und nun bereit sind, sich im Ausüben des ,,Swing Dance" zu probieren. Dieses steht nämlich abends um acht Uhr auf dem Programm, und so betreten wir den ,,Spanischen Tanzsaal" inmitten des Glen Echo Parks, um den Anweisungen eines Tanzlehrers Folge zu leisten. Bis maximal um zwölf Uhr wird wahlweise getanzt oder sich auf den Bänken im Park unterhalten.
Be,,swing"t von dieser Erfahrung machen wir uns am nächsten Tag auf nach Washington DC, um das Spektakel des ,,Rolling Thunder" (,,rollendes Gewitter") zu bestaunen. Dieser Name ist historisch mit dem Vietnam-Krieg verbunden und bedeutet heutzutage, dass sich zahlreiche Motorrad-Freaks auf ihre Harleys setzen und auf den Straßen Washingtons gen Stadtmitte donnern. Weil der Strom von begeisterten ,,"Rolling Thunders" nicht abreißen will, haben wir Schwierigkeiten, uns fortzubewegen, weil wir kaum eine Straße überqueren können, aber schließlich gelangen wir doch zu den zahlreichen Denkmälern, darunter das berühmte Lincoln-Memorial, die wir in Kleingruppen besichtigen. Danach geht es auf zu einer ,,Pool Party" im ,,Highlands Swim Club", einem Freibad, wo wir auch essensmäßig am Barbecue versorgt werden. Angrenzend gibt es sogar ein paar Tennisplätze, auf denen wir uns vergnügen können, und so lernen wir uns in lockerer Atmosphäre und bei toller Rundum-Versorgung der Organisatoren immer besser kennen.


Am Montag ist dann der eigentliche "Memorial Day", weswegen unsere Gastgeber weiterhin keine Schule haben. Dennoch müssen sie, wie wir alle, um zehn Uhr zur Probe in der Schulaula antreten. Und da kommt es ans Licht: Die Verantwortlichen haben tatsächlich Verstärkung angefordert, die sich bereits im Anflug befindet. Bestandteile der Detmolder Delegation, die das Ruder noch herumreißen soll: Michi, der so dringlich vermisste Wundergeiger, Herr Mönks' Ass im Ärmel, und seine Begleitperson, die keine Kosten und Mühen scheuende Frau Hohrath. Nach einer Probe, die noch einmal allen die Dringlichkeit dieser ungewöhnlichen Maßnahme vor Augen führt, legen wir die Instrumente nieder und machen uns auf zu einem Picknick, das allerdings nicht im Great Falls Park stattfinden kann - dorthin wollen so viele, dass sich ein langer Stau gebildet hat - sondern eben in einem angrenzenden Park. Nachdem sich dort die meisten im Schatten der Bäume ausruhen und ein paar wenige beim Fußballspielen verausgaben trennt sich die Gruppe mal wieder: Während die einen zum Schlittschuhlaufen fahren, steht für die anderen ein Besuch in der Mall auf dem Programm. Hier nehmen wir denn auch unser schmerzlich vermisstes Mitglied Michi mit Freuden in Empfang. Seine Version der Geschichte - er hätte noch bei einem Probenwochenende eines anderen Orchesters dabei sein müssen, und überhaupt sei diese Aktion schon seit langem geplant gewesen - kaufen wir ihm natürlich nicht ab.

Dienstag, 26. Mai

ist der erste Schultag auf dieser Reise! Das frühe Aufstehen - die Schule beginnt um 20 nach sieben - scheint einigen Amerikanern schwerer zu fallen als ihren deutschen Gästen. Wir erhalten die Erlaubnis, mit unseren "Hosts" deren Unterricht zu besuchen, solange es uns interessiert. Falls nicht, können wir in einem gemeinsamen Aufenthaltsraum die Zeit bis zur ersten Probe um neun Uhr totschlagen. Langsam kristallisieren sich nun die einzelnen Stücke heraus, und nach einer Mittagspause von halb zwölf bis halb drei widmen wir uns auch am Nachmittag der Musik. Den Abend gestalten wir unterschiedlich, manche steuern das beliebte Ziel Tysons Corner an, um dort etwa einen Film zu sehen, andere gehen mit ihren Familien Essen, usw.

Mittwoch, 27. Mai

Während unsere Gastgeber wieder im grauen Schulalltag gefangen sind, machen wir Detmolder einen Ausflug nach Baltimore in den US-Staat Maryland, womit wir immerhin schon den zweiten US-Staat (nach Virginia) besuchen. Nachdem wir dort angekommen sind, sehen wir uns das National Aquarium direkt am Hafen an, das unter anderem eine Delphin-Show (die wir allerdings nur vom "Beckeninneren" aus beobachten können) und ein Stück nachgemachten Tropenwald bereithält. Warenhäuser und Buchhandlungen sowie ein "Hard-Rock-Café" an der Hafenpromenade laden zu weiteren Besichtigungen und Einkäufen ein, bis wir schließlich die Rückreise antreten und pünktlich zur Probe in McLean um halb drei parat stehen. Diesmal musizieren wir mit kleineren Unterbrechungen bis neun Uhr durch, und das nicht ohne Grund, denn der

Donnerstag, 28.Mai

ist bereits unser Konzerttag! Wieder haben wir die Gelegenheit, die Amerikaner in ihren Klassen zu besuchen. Wer das nicht will, sieht sich im Aufenthaltsraum Filme an, darunter passenderweise "Grease", das Musical, dessen bekannte Melodien wir in einem Medley als Zugabe spielen. Nach der ersten Probe am Vormittag gibt es aber auch noch eine andere interessante Sendung zu sehen: In den täglichen TV-News der Schule, von Schülern moderiert, preisen Christoph und sein "Host" Bobby unser gemeinsames Konzert an diesem Abend, sieben Uhr 30, an.
 
In diesem Sinne proben wir auch noch fleißig weiter, und damit die steigende Spannung nicht auf einen leeren Magen trifft, veranstalten die Organisatoren unter eifriger Mitwirkung von allen beteiligten Eltern um sechs Uhr ein "Pot Luck Dinner" in der Cafeteria der Schule, ein üppiges Büffet mit zahlreichen Gerichten, Vor- und Nachspeisen, die die Familien selbst zubereitet haben. Unter diesen guten Vorzeichen wird das Konzert, das wir vor ordentlich besetzten Rängen spielen, tatsächlich ein großer Erfolg. Besonders die Verabschiedung von Mrs Sandberg, der die DJO-interne Boygroup mit einer tollen Performance das Lied "Total egal" darbietet, sorgt für viel Emotion und reichlich Ovationen. Außerdem überreichen uns die McLeaners zu unserer Überraschung jedem von uns ein T-Shirt, auf dem die beiden Orchester in elegantem Design verknüpft sind. Nach dem Konzert kehren wir erleichtert und erschöpft in unsere Gastfamilien zurück.

Freitag, 29. Mai

Auch an diesem Morgen steht es uns frei, Klassenbesuche mit unseren Gastgebern zu machen. Um neun Uhr trennen wir uns allerdings von ihnen, um in einen stilechten gelben Schulbus zu steigen und das "John F. Kennedy Center" zu besuchen. Dieses Veranstaltungsgebäude, in Gedenken an seinen Namensgeber errichtet, beinhaltet, wie wir bei einer Führung erfahren, mehrere Theater für Konzert-, Theater- und Musicalaufführungen, von denen wir teilweise auch die Präsidentenloge ansehen können. Außerdem kann man Geschenke verschiedener Nationen in Form von Kunstwerken bestaunen, wie etwa das "japanische Zimmer".
 
Danach fährt uns der Bus in das Zentrum von Washington DC, wo ein Teil der Gruppe das "International Spy Museum" besucht, in dem es über Bond-Spielzeuge bis zu Biographien von echten Spionen einiges zu entdecken gibt, während sich der andere Teil frei in der Hauptstadt bewegt und sich andere Museen ansieht, wie das "National Museum of Natural History", das "National Air&Space Museum" oder das "National Museum of American History", um nur einige zu nennen. Schließlich trudeln wir langsam an unserem Treffpunkt, dem "Art Sculpture Garden", ein, wo wir uns um fünf Uhr gemeinsam mit einigen dazugestoßenen Amerikanern den "Young Lions" Jazz unter freiem Himmel anhören. Leider ist der Schauplatz zu diesem Zeitpunkt nicht so optimal gewählt, den immer wieder regnet es ein wenig. Poetisch betrachtet scheint der Wettergott nicht übersehen zu haben, dass dies schon unser letzter voller Tag in Amerika ist und vergießt ein paar Abschiedstränen... dass der Abschiedsschmerz allerdings binnen weniger Minuten - die Gruppe befindet sich schon auf dem Weg zu einer nahegelegenen Metrostation - sintflutartige Züge annimmt, hätte keiner erwartet. In kurzer Zeit sind die meisten von uns klatschnass und rennen mit ihren im Wasser schwimmenden Füßen zum nächsten Unterstand. Ohne, dass jemand noch einen Überblick hätte, kommen wir in kleinen Grüppchen an der Metrostation an und treffen nach und nach an der Station "West Falls Church" ein, wo uns unsere Gasteltern abholen und nach Hause fahren. Wir ziehen uns schnell um, denn bereits um sieben Uhr beginnt die Abschiedsfeier - "Farewell Party" - im "Old Firehouse". Neben Billardtischen und einer XBox mit "Guitar Hero" kriegen wir auch Pizzen serviert, mit denen wir uns stärken um uns dann auf der Tanzfläche austoben. Nach einem weiteren großartigen Konzert unserer Boygroup - wir sind stolz, dass wir sie haben - feiern wir noch lange weiter.

Abfahrt- und flug, 30. + 31. Mai

Wenn wir um zwölf Uhr mittags an der Schule zusammenkommen, geht für uns eine ereignisreiche Woche zu Ende. Die Verabschiedung von den Gastfamilien dauert natürlich viel länger als erwartet - aber wir lassen uns auch von einem drängelnden Busfahrer nicht hetzen. Ein Abschiedsfoto noch vor dem "Rock" - dem Stein, den die McLeaners jedes Mal mit den deutschen Nationalfarben bemalen, wenn wir da sind - und dann ist es schließlich Zeit, in den Bus einzusteigen. Hier und da fließen ein paar Tränen, weswegen wir nur hoffen, dass wir die Amerikaner schon nächsten Februar wieder bei uns in Empfang nehmen können!
 
Die Reise zurück verläuft unspektakulär, dauert aber natürlich wieder seine Zeit - um halb zwei am Nachmittag (deutscher Zeit!) am Sonntag, den 31. Mai, kommen wir endlich am Kronenplatz an und werden von unseren Familien in Empfang genommen. Nicht nur der Jet-Lag, den wir in den nächsten Tagen zu spüren bekommen, wirkt nach, sondern auch der Kontakt zu unseren tollen Gastgebern, der dank Facebook glücklicherweise nicht abreißt.