Laudatio


Aufsteiger des Jahres


Laudatio Grabbe-Preis für Christian Buskühl

 Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste,

 Nicht die Schule macht den Menschen, sondern der Mensch macht die Schule. Und gerade das Menschliche steht im Mittelpunkt für den heutigen Preisträger. Es geht in dieser Kategorie nicht nur um ein paar Zahlen auf einem amtlich beglaubigten Papier. Es geht hier um Charakterzüge, die sich in unterrichtlichem und außerunterrichtlichem Engagement widerspiegeln, so wie Kameradschaft, Einsatzfreude, Zuverlässigkeit, Disziplin, Offenheit und vor allem die Fähigkeit des kritischen Hinterfragens. Nur durch die Fähigkeit Fragen zu stellen können wir die Antworten auf die gesellschaftlichen Probleme der Gegenwart und Zukunft finden.

 Den heutigen Preisträger kenne ich seit meiner ersten Stunde auf dem Grabbe-Gymnasium. Es müssen nun wohl bald drei Jahre sein, da sah ich ihn in einer Deutschstunde vor mir.

Ich kannte seinen Namen, ich kannte seine Rechtschreibschwierigkeiten, ich kannte seine hin und wieder aufblitzenden Ideen, die bereits damals den Unterricht bereicherten…aber ich kannte ihn nicht als Person und ich erkannte auch noch nicht dieses Potential. Dies änderte sich spätestens nach den Osterferien 2010, als sich mein damaliger Literaturkurs unter anderem auch mit dem heutigen Preisträger zusammenfügte. Hier lernte ich ihn erst richtig kennen und nach seinen außergewöhnlichen Auftritten im Sommernachtstraum kennt ihn nun auch die gesamte Schule. Doch mir geht es nicht um die Rolle, die der Preisträger damals spielte, mir geht es um das was, hinter dieser Rolle steht, und davon möchte ich Ihnen heute Abend berichten.

Gab es etwas zu erarbeiten – er meldete sich. Gab es etwas zu organisieren – er ergriff die Initiative. Gab es gerade nichts zu tun – er übernahm aus eigenem Antrieb Aufgaben, ja, er sah wo etwas fehlte, ohne darauf hingewiesen zu werden, er identifizierte sich mit dem Projekt vollständig und führte im kritischen Dialog seine Ideen aus.

Ich erinnere mich an eine Email, es war der 3. April dieses Jahres, in der schrieb unser Preisträger seine vielleicht punktuell etwas überspitzt, aber in der Sache nachvollziehbare Kritik an dem Kurs und an meiner Person. Allerdings basierte dies nicht auf einer egoistisch gearteten Selbstdarstellung – nein – es war der Wunsch, sich für die „Wortlosen“, die „Schüchternen“, die „Zurückhaltenden“ einzusetzen. Es war der klare Wille, sich in den Wind zu stellen und nicht sein Fähnlein nach den jeweiligen Richtungen auszurichten – nur um nicht anzuecken, nur um nicht etwaige Konsequenzen zu fürchten.

Gerade diese Einstellung, ehrlich seine Meinung zu sagen, schätze ich an unseren Preisträger ganz besonders.

 Und dieser Antrieb wird auch in Zukunft sein Leben bereichern. Unser Preisträger wird in den Herbstferien,  begleitet von Alexander Gunkler, die Möglichkeit wahrnehmen, die Lebensbedingungen in unserem ghanaischen Kinderdorf persönlich kennenzulernen. Darüber hinaus werden diese beiden Schüler einen Scheck in Höhe von 1000 Euro – einen Großteil unserer Literaturkurseinnahmen – als Spende dem hiesigen Leiter Sampson Owusu Boampong übergeben.

Sicherlich ist die heutige Auszeichnung nur ein kleiner Schritt auf seinem weiteren Weg – es ist weder der Anfangs- noch Endpunkt. Aber es ist ein entscheidender Schritt, ein Schritt, der für alle Grabbianer sichtbar wird, ein Schritt, der Sicherheit in sich birgt, da er das Bewusstsein impliziert, sich auf dem richtigen Weg zu befinden, wohl wissend, dass in unserem Leben meist der Weg als eigentliches Ziel zu betrachten ist.

 Solche Menschen machen die Schule aus – und von solchen Menschen, wie dem heutigen Preisträger, können wir nie genug haben. Dies ermöglichten nicht nur die Lehrerinnen und Lehrer des Preisträgers, sondern auch der Literaturkurs, der ihm Raum zur Selbstfindung gab und seine Lebensgefährtin Cherylin, welche ihn aus berechtigten Sphären auf den Boden der Realität zurückholen konnte.

So kann ich unumwunden zugeben, dass es mir heute eine besondere Ehre ist, Herrn Christian Buskühl den Grabbe-Preis als „Aufsteiger des Jahres“ im Namen des Grabbe-Preis-Komitees überreichen zu dürfen.

Steven Förster