Grabbe-Gymnasium Detmold

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2009_2010

Runter vom Ego-Trip


Zweiwöchiges Sozialpraktikum einer ganzen Jahrgangsstufe



Sozialpraktikanten vom Grabbe haben zusammen mit Gästen des Eben-Ezer-Wohnheims Waffeln gebacken. Alle haben sichtlich Spaß dabei.
Von Hajo Gärtner (Text und Fotos)

,,Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf." Dieser Satz kommt gut. Oder: ,,Jeder gegen jeden." Wenn im Philosophie-Unterricht die Staatstheorie von Thomas Hobbes dran ist, gibts sofort Zustimmung und Beifall für jenen Pessimismus, der das Ego zur stärksten Triebkraft des Menschen erklärt und allem anderen eine untergeordnete Bedeutung zuweist. Da mag ja auch was dran sein; allerdings möchten in Hobbes' Welt nur die ganz Harten leben. Die große Mehrheit wünscht hingegen, dass eine andere Kraft mithält: die soziale Seite des Menschen. Um sie einmal näher kennenzulernen, rückten alle Schüler der Jahrgangsstufe 11 für zwei Wochen zu einem Praktikum in Sozial-Einrichtungen aus: vom Kindergarten bis zum Altenheim. Sie lernten den liebevollen Umgang mit Menschen im Alter von 3 bis 103 Jahren kennen. Kaum jemand hat sich vor Beginn des Experiments so richtig begeistert gezeigt; doch am Ende bestätigten die meisten Schüler einen Erfahrungsgewinn, den sie nun nicht mehr missen möchten. Einige haben sogar eine Berufsperspektive entdeckt.

Elina Möller (16) zum Beispiel. Sie ist zwei Wochen im Wohnheim ,,Haus am Park 1" der Organisation Eben-Ezer (Stapelage) gewesen und wäre gern noch länger geblieben. Für sie steht fest: ,,So etwas in der Art will ich später einmal machen."

Was denn? Alte Menschen füttern und ihnen anschließend den Po abwischen? So etwas gehört zwar auch zur Pflege, ist aber bei weitem nicht alles. Das haben auch Elham (16), Christian (16) und Pauline (17) erfahren, die in anderen Eben-Ezer-Häusern stationiert waren. Die Haupttätigkeit - und das eigentlich Interessante - besteht in dem Versuch, Menschen im Kampf gegen die Tendenz zur Degeneration (Alzheimer, Demenz) aufzubauen und dem zunehmenden Alter Lebensqualität abzutrotzen. Das gelingt auch, und die Fortschritte machen allen Beteiligten offensichtlich große Freude. ,,Du glaubst nicht, wie viel du von den Gästen zurückbekommst", sagt Elina und meint die Freude, die betreute Menschen selbst über kleinste Gesten der Anteilnahme und Gefälligkeit zeigen. ,,Ganz kleine Dinge bedeuten für sie ganz viel." Dieser Resonanz-Effekt hat nicht nur die Mädchen ergriffen, auch die beiden Jungen berichten davon. ,,Vor allem lernst du Geduld", sagt Elham und räumt ein, dass der Umgang mit den Gästen nicht immer leicht sei. ,,Gäste" heißen die betreuten älteren Menschen im Haus, und die Grabbianer übernehmen diesen Ausdruck schnell und wie selbstverständlich. Beim Zähneputzen helfen, beim Essen unterstützen, Duschen und Baden, aufs Klo gehen, Windeln wechseln: Das gehört dazu, aber wichtiger noch ist: miteinander reden, zusammen spielen, Waffeln backen, Malen und Basteln, Ausflüge unternehmen. Elina: ,,Das freut die. Das macht denen Spaß. Da kriegst du was wieder. Vertrauen aufbauen ist cool."

Dieses Vertrauen erfordert viel Sensibilität, bestätigen Elham und Christian. ,,Du nimmst sie an der Hand, achtest genau auf Mimik und Gestik. Manche beginnen erst später zu sprechen." Erst, wenn die Vertrauensbasis aufgebaut ist. Und das braucht mitunter seine Zeit. Ist dann aber ein echtes Erfolgserlebnis.

Ortswechsel: Im Diakonissenhaus ,,Weberhof" (Hörste) sitzen Mira Liberti (16) und Gisela Schasse (80) vor dem Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel. Gisela Schasse mag Mira. Sie zeigt es ihr auch. Ergreift ihre Hand, streichelt ihre Wange. Und Mira erzählt stolz, wie gut die 80-Jährige drauf ist. Sie weiß viel von ihr. Dass der Name ,,Schasse" aus dem Französischen kommt (,,Chasseur" =,,Jäger"), dass Gisela früher 14 Jahre lang Schulsekretärin in der Luther-Schule in Bielefeld gewesen ist und dass sie sich über die aktuelle Nachrichtenlage (zurzeit: Haiti) bestens informiert zeigt. Weberhof-Chefin Andrea Friedrichsmeier betont, dass Praktikantinnen wie Mira keinen Mehraufwand bedeuten, sondern eine Bereicherung darstellen, für die betreuten Menschen ebenso wie fürs Betreuerteam. ,,Wir haben hier ständig Praktikanten, und ohne sie können wir uns den Alltag im Wohnheim gar nicht mehr vorstellen", sagt sie im Gespräch mit Grabbe Online. Wie auch in den anderen Einrichtungen ist die Palette der Betreuung breit: Da gibt es rüstige Senioren, die außerhalb wohnen wie Gisela Schasse; solche, die Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen und solche in kompletter Pflege. Das Team reagiert darauf mit einem entsprechend differenzierten Programm.

Szenenwechsel: ,,Du hast das Bild noch nicht zu Ende gemalt", mault Lisa (4), als Andrea Ehm mir den Ausgang aus der Arche zeigen will und sich deshalb von Lisa abwendet. ,,Arche" heißt die evangelische Kita in Augustdorf, und ich habe gerade den obligatorischen Praktikantenbesuch hinter mich gebracht. Lisa will Andrea offensichtlich für sich haben und nicht an den großen Onkel verlieren. Das zeigt: Die Integration ins Erzieherinnen-Team ist perfekt gelaufen, und genau das berichtet Andrea auch. Sie arbeitet genau wie die Profis mit den Zwergen und wird von den Kindern genauso geliebt und genervt. Auch sie hat im Sozialpraktikum eine Berufsperspektive entdeckt.

Bleibt noch nachzutragen: Auch Mira kann sich vorstellen, noch einmal in einer Einrichtung wie dem ,,Weberhof" zu arbeiten. Und nicht einmal Christian und Elham haben diese Vorstellung entrüstet von sich gewiesen.

Nehmen wir an, meine fünf betreuten Sozialpraktikanten sind repräsentativ, was man natürlich nicht behaupten kann. Nehmen wir an, sie wollen nicht nur schleimen: Da bin ich mir sicher. Dann bedeutet das: 40 Prozent haben eine Berufsperspektive für sich entdeckt; 20 Prozent können sich eine Fortsetzung der sozialen Tätigkeit vorstellen: zusätzliche 40 Prozent wären einem sozialen Beruf gegenüber nicht abgeneigt. Unterm Strich: 100 Prozent beurteilen das Experiment als gelungen.

Kann das denn wahr sein? Ich habe keine Anhaltspunkte für eine andere Schlussfolgerung. Allerdings gab es auch ein paar Hartgesottene, die sich dem sozialen Experiment beharrlich entzogen haben. Man kann ihre Menge an einer Hand abzählen. Und:
Sie haben etwas verpasst.

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Der Förderverein stellt sich der Aufgabe, die Entwicklung der Schule voranzutreiben. Die Umsetzung neuer Ideen muss finanziert werden, und hier sieht der Verein sein Kerngeschäft: die nötigen Gelder zu beschaffen.

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