Grabbe-Gymnasium Detmold

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Betreuer-Impressionen




Sozialpraktikum ist cool


Von Hajo Gärtner (Text/Fotos)

Als ich mit meinem Roller den Waldweg zum ,,Bienen-Schmidt'' hochknattere, kommt mir Artur Hertel (18) entgegen. Die Sonne brennt vom Himmel, Artur schiebt in Gedanken versunken einen Rollstuhl zum Eben-Ezer-Haus hinab. Ich bin längst vorbei, drehe um und fahre geräuschvoll auf das schweigsame Duo zu. Erst jetzt blickt Artur auf, und die Situation wird auch für die hochbetagte Rollstuhl-Pilotin interessant. Ein Lächeln fährt ihm breit übers Gesicht; sie guckt neugierig.

Wie es denn so gehe, will ich wissen. ,,Gut'', sagt er und zeigt auf sein Ziel. Dort will er hin, und dort wartet sein größter Fan auf ihn. Ich werde Lothar kurze Zeit später kennenlernen. Aber weil ich ein neugieriger Mensch bin, reizt mich Raphaels Job zunächst mehr: Der engagierte Philosophie-Schüler (das ist Artur übrigens auch) macht beim ,,Tierprojekt ANIMAL'' mit, angesiedelt im Eben-Ezer-Wohnverbund Stapelage.

Also: Roller wieder wenden, nach oben düsen. Dort wieselt eine muntere Truppe um eine Feuerstelle: Stockbrot-Backen ist angesagt für rund 40 Kinder plus Eltern, die eine schöne Zeit mit den Zwei- und Vierbeinern des ANIMAL-Projektes verbringen. Heilpädagogisches Reiten auf Ponys steht an drei Tagen in der Woche auf dem Programm. Ob das denn etwas bringe, will ich von den Reittherapeutinnen Claudia Wendt-Sölter und Steffi Hooper wissen. Claudia ist ehrlich: Kein Kind überwindet damit seine Behinderung, aber die Motorik und der Sprachgebrauch zeigten deutliche Verbesserungen. 

Was macht Raphael? Er hält ein Stockbrot ins Feuer und genießt das schöne Wetter, so wie die Kinder, ihre Eltern und die Therapeuten das tun. Auch er ist guter Dinge und betont, dass seine Praktikumsplatzwahl richtig gewesen sei. Rosinenpicken geht aber nicht: Auch ihn sehe ich kurze Zeit später den Waldweg hinunterlaufen, denn auch er ist in die Betreuung der betagten Eben-Ezer-Gäste eingespannt. 

Lucas Pentschew (17) als der Dritte im Bunde: Sie setzen sich zusammen in die Gartenschaukel und Lothar will das Foto machen. Er ist immer dabei, sehr neugierig und anhänglich, das Handicap einer fortschreitenden Demenz kaum zu bemerken. Aber er kriegts motorisch nicht mehr auf die Reihe, das geplante Starfoto zu schießen. Bedrückt ihn aber nicht weiter, denn im Quartett herrscht ein lustig-lockerer Ton. Männer unter sich haben ihre eigene Art, Sympathie zu zeigen. Nicht therapeutisch kalkuliert: ,,Ich mag Lothar'', sagt Artur, und Lothar legt die Hand auf seine Schulter. Ich vermisse nur noch, dass Artur ihn in die Seite knufft. 

Um der Wahrheit die Ehre zu geben: So sehr Raphael die liebevolle, ja perfekte Betreuung in Eben-Ezer lobt und das Praktikum als wichtige Erfahrung wertet, so sehr trifft ihn die existenzielle Erfahrung des Verfalls am Ende des Lebens. Es bleiben nur noch bescheidene Freuden wie die auf das Essen und kleine Ausflüge in die Natur. Dazwischen das Warten ,,auf die nächste Attraktion'', die der Tag bringen soll. Aber vielleicht erleben die Betreuten das alles ganz anders als ein junger Mensch, der intensivere Reize braucht, räumt er ein. Gern hätte ich ein Foto von Lothar und den Jungs gemacht. Aber Lothars Begeisterung nützt mir gar nichts: Ich muss seinen Vormund finden und um Erlaubnis fragen. Zu langwierig, zu kompliziert. 

Im Altenpflegeheim ,,Werrehof'' treffe ich Fabian Rieke und Johanna Falk (beide 18), und dazu noch Christian Müller, der soeben Gäste aus der Diakonstation auf ihrem Weg in den ,,Werrehof'' begleitet. Christian hat mir vorher seinen Tag geschildert: Er hilft Leuten, zu Hause aufzuräumen, schreibt mit ihnen einen Einkaufszettel, bringt sie zum Arzt, trägt zu Unterhaltung und Spiel (Beschäftigungstherapie) bei. Bisweilen begleitet er die Pflege-Profis bei der ambulanten Betreuung. ,,Die Leute freuen sich immer, wenn jemand kommt. Besonders, wenn sie ein neues Gesicht sehen.'' 

Vom bekannten Pflege-Stress bekommen alle nicht viel mit. Sie erleben eher die angenehme, gemütliche, sogar unterhaltsame Seite. Trotzdem: 300 Menschen betreut die Diakonie Lage ambulant, 35 in der Tagespflege, 145 im betreuten Wohnen. 24 Pkw sind ständig im Einsatz, dazu zwei Bullis. Das alles mit einem überschaubaren Betreuungspersonal. 

Könnten sich die Schüler vorstellen, auch außerhalb der Schule mitzumachen? ,,Ja'', sagt Christian, ,,für ein paar Stunden die Woche''. Allerdings nicht ohne kleine finanzielle Anerkennung. Wenn die passe, wäre er sofort dabei. ,,Auf Dauer wäre das nichts für mich'', sagt Lucas Pentschef. Da reizt ihn eher die ,,Konkurrenz": ,,Ich habe im Kindergarten ein Praktikum gemacht." Der Umgang mit ganz jungen Menschen sagt ihm offensichtlich mehr als der mit ganz alten. Auch die anderen Schüler wissen nun, dass sie keinen Pflegeberuf wählen werden. Aber, das herauszubekommen zu haben, sei auch ein wertvolles Praktikumsergebnis, finden sie.

Am Ende gibts ein Zeugnis. Wie in der Schule auch. "Engagiert", bekommen die Schüler bescheinigt, und auch: ,,sehr engagiert''. Mir ist niemand bekannt, der mit der bloßen Bemerkung ,,teilgenommen'' nach Hause gegangen wäre. Und auch die Krankheitsrate, in der Oberstufe gelegentlich von epidemischem Ausmaß, erscheint geradezu lächerlich gering. Liegt es an dem Gefühl, gebraucht zu werden, das in der Schule fehlt? Mensch, Leute, auch Lehrer brauchen euch, um guten Unterricht zu schaffen. 

Engagement für die Schule

Der Förderverein stellt sich der Aufgabe, die Entwicklung der Schule voranzutreiben. Die Umsetzung neuer Ideen muss finanziert werden, und hier sieht der Verein sein Kerngeschäft: die nötigen Gelder zu beschaffen.

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