Fütterung der Raubtiere

Von David Strauch, Daniel Podranski und Christian Rost

Der Löwengang hat es den Besuchern angetan. Gerade die Kinder staunen, wenn „der Führer“ sie durch jenen gläsernen Gang schickt, durch den sonst Raubtiere auf Beutefang gehen. Der Name „Löwengang“ ruft diese Vorstellung geradezu zwangsläufig auf, obwohl die Platikröhre – bei Licht betrachtet – lediglich eine –Verbindung zwischen Alt- und Neubau darstellt, damit Schüler und Lehrer beim Wechsel der Klassen durch insgesamt drei separate Baukörper nicht nass werden. „Der Führer“ würde seine Gefolgschaft auch keiner Gefahr aussetzen: Schließlich ist er für ihr Wohlergehen in der nächsten halben Stunde verantwortlich. Es ist sein Job, den Gästen die Schule zu zeigen und ihnen alles profund zu erklären.
Die Leute, die sich an der Stelle versammelt haben, an der die Führung beginnen soll, werden auf drei Experten verteilt. Jeder schlägt eine andere Route ein, damit sich die Wege nicht überlagern.
So folgen die Eltern und ihre Kinder ihrem zugeordneten Begleiter, der ihnen die Schule zeigt und an markanten Stellen Erläuterungen gibt. Startpunkt: vor dem Löwengang. Vor der Cafeteria „Pop & Korn“ setzt stets ein großes Staunen ein, wenn die Schulpilger erfahren, dass sich hier mal ein Internat befand, das später in ein Asylheim verwandelt worden ist. Noch heute wird diese Zufluchtsstätte in unmittelbarer Nähe der Schule unterhalten, gewissermaßen als ihr baulicher Nordteil.
In der Alten Aula findet gerade eine Theater-Vorführung der sechsten Klassen statt und die Eltern verharren andächtig, um dem Spiel der Kinder zuzusehen. Damit ist der „langweiligste“ und älteste Teil der Schule besichtigt und es geht weiter, an der Neuen Aula vorbei, in den Erweiterungsbau, in der es die umfangreiche Physiksammlung zu bestaunen gibt. An dieser Stelle wird der „Führer“ mit einer Menge Fragen konfrontiert, was zeigt, dass die Eltern sich gedanklich darauf eingestellt haben, ihre Kinder zum Grabbe-Gymnasium zu schicken.
Noch mehr Interesse weckt der Neubau, in dem das Prunkstück der Schule, das Selbstlernzentrum, und die Bio- und Chemiesammlungen zu bestaunen sind. Die Eltern sind hier besonders interessiert, da einige von ihnen in diesem Metier beruflich tätig sind und ihre Kindern möglichst gut informiert sehen wollen. Für die Kinder ist dies die aufregendste Station der Führung, da sie hier eine Vielzahl an Insekten unter Mikroskopen beobachten oder diverse chemische Abmischungen unter Aufsicht eines Lehrers ausprobieren können. Die Eltern sind von dem Selbstlernzentrum sehr angetan und formulieren sogar Ideen zur betrieblichen Verbesserung.
An dieser Stelle endet die Führung und die Eltern verlassen mit ihren Kindern die Schule, in der Hoffnung, die richtige Schule für ihr Kind ausgewählt zu haben.