2015

An der Dokumentation wirken mit: Katharina Wagner & Kristina Friedrich (Text/Fotos); Arne Klosse & Paul Kramer, Christopher Rahn & Christopher Rock, Sven Nießen & Falk Flaska (Fotos).

Das Grabbe ein Magnet

Großer Andrang beim Tag der offenen Tür - Neue Aula überfüllt

Von Hajo Gärtner

,,Andernorts schrumpfen die Orchester, bei uns wachsen sie!" Mit dieser launigen Bemerkung kommentierte Schulleiter Werner Klapproth die drangvolle Enge auf der Bühne in der Neuen Aula. Tatsächlich spielten die Musiker des Orchesters im Stehen, damit genug Platz blieb für die Kunst-Turnerinnen, die ihre ,,wirklich hohe Kunst" (Klapproth) ganz selbständig vorführten: Ihr Trainer Michael Gruhl musste als Bundestrainer zu einem Wettkampf und konnte deshalb seine Grabbe-Schülerinnen nicht betreuen. Aber die agieren inzwischen so routiniert, dass sie Hilfe gar nicht mehr brauchen.

Dann portraitierte der Schulleiter das Grabbe-Gymnasium und strich als erstes das Schulprofil heraus mit inzwischen vier Schwerpunkten. Der gemeinsame Auftritt von Musik und Sport unter dem Porträt des Namensgebers der Schule, erstellt von einer Kunstklasse, rücke die drei traditionellen Schwerpunkte in ein deutliches Licht. Dazu kommt neuerdings der Baustein Naturwissenschaften, Mathematik eingeschlossen. Mit diesem neuen Element trage das größte Gymnasium Detmolds (rund 900 Schüler) der wachsenden Nachfrage nach MINT Rechnung (MINT kennzeichnet die Integration von Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften). Darüber hinaus sei es jedoch ein ,,besonderes Kennzeichen des Grabbe", dass musisch-künstlerische und sportliche Elemente ganz bewusst für die ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen eingesetzt würden.

Begabungsförderung steht ganz oben im pädagogischen Plan. Und zwar bei den Spitzentalenten wie auch in der Breite. Klapproth wies auf die opulente Resonanz in der Presse hin, etwa die Turnerinnen oder Musiker betreffend. Aber allein schon die Marke 50 als Kopfzahl des Orchesters der Klassen 5 bis 8 steche landesweit als Alleinstelllungsmerkmal hervor. Mittlerweise bemühe sich die Schule neben dem Prädikat ,,sportbetont" auch um das Zertifikat ,,Musikgymnasium". Was die sportliche Orientierung betrifft, sei auf jeden Fall erwähnenswert, dass die Schule demnächst zum dritten Mal in Folge als ,,erfolgreichste lippische Schule im Spitzen- und Breitensport" ausgezeichnet werde.

Unter den vielen Aspekten, die Klapproth beleuchtete, um seine Schule ins rechte Licht zu rücken, ließ ein unerwarteter Gesichtspunkt aufhorchen: Was tun, wenn Lehrer mal erkranken und Unterricht ausfällt? Lernen fällt am Grabbe eben niemals aus; jedenfalls nicht in nennenswertem Umfang. Denn die Lehrer haben sich zusammengesetzt und gehaltvolle Vertretungen mit einem Volumen von insgesamt rund 1000 Stunden konstruiert. Anstehender Lernstoff wird aus einer Datenbank gezogen und passgerecht eingesetzt. So ausgerüstet, kann auch der Mathelehrer spielend eine Deutschstunde organisieren, und der Deutschlehrer kommt mit unerwarteten Rechenkünsten um die Ecke. In Wahrheit aber brauchen beide nicht über sich hinauszuwachsen, weil die Fachkompetenz in den vorgefertigten Arbeitsblättern steckt. Alles, was zu tun bleibt, ist, den Lernprozess zu beaufsichtigen. Und das kann jeder Lehrer in allen Fächern.