SAM-OWL

weitere Bilder: Tetraeder-Fraktal und Zeichen-Pendel.

Schönheit der Mathematik

Schülerakademie für Mathematik in Ostwestfalen-Lippe zu Gast im Grabbe-Gymnasium

Von Hajo Gärtner (Text/Fotos)

Dass Mathematik schön sei, diesem Urteil werden wohl nur jene zustimmen, die ein ausgesprochenes Faible für die Rechenkunst haben. Die Anderen werden bei aller Skepsis anerkennen müssen: Mathematik kann sehr nützlich sein. Wer rechnen kann, hat eine größere Chance, erfolgreich durchs Leben zu kommen. Schönheit der Mathematik: Damit war am Stand der Mathe-Ästheten bei der Ergebnis-Präsentation in der Alten Aula aber etwas Anderes gemeint. Mathematik kann zu einem rationalen Verständnis des Schönen beitragen. Symmetrien sehen wir mit Wohlgefallen an; und der berühmte Goldene Schnitt, der nicht nur für Künstler und Kathedralenbauer von fundamentaler Bedeutung ist, beruht schlicht auf einem exakten mathematischen Verhältnis von Längen, Breiten und Höhen. Schönheit lässt sich in eine schlichte Formel bringen, die jeder versteht.

Und es gibt noch mehr Verblüffendes: Wer Relationen richtig einhält, dem gelingt die Konstruktion von Fraktalen. Du zoomst in ein Bild hinein, und auf jeder tieferen Ebene stellt sich die ursprüngliche Ausgangssituation wieder ein. Endlos, wenn du willst. Wie ein Spiegel, der sich in tausend Spiegeln spiegelt. Ganz berühmt: das Apfelmännchen. Aber es funktioniert auch mit vielen anderen Formen.

An verschiedenen Ständen präsentierten die in Gruppen aufgeteilten 28 Schüler aus ganz Lippe die Ergebnisse ihrer Forschungen. Wie kann man Botschaften so verschlüsseln, dass sie nur von Eingeweihten verstanden werden? Tatsächlich gab es schon vor mehr als 2000 Jahren die Caesar-Scheibe, mit der die Verschwörer um Brutus ihre finsteren Pläne aushecken konnten, ohne Gefahr zu laufen, vom römischen Diktator enttarnt zu werden. [Ich glaube nicht, dass sie die Scheibe eingesetzt haben, aber die Technik war bekannt]. Geheimschriften und Codes wie das Morse-Alphabet und die Blindenschrift interessierten genau so wie der Somawürfel und die Superzahl 3816547290.

Das alles stellen die Schüler an liebevoll gestalteten Ständen ihrem Publikum in der Alten Aula vor: hauptsächlich Eltern, denen der Stolz auf ihre besonders begabten Sprößlinge sicherlich ein gutes Gefühl gewesen ist. Dr. Burghard Lehmann, Geschäftsführer der Familie-Osthushenrich-Stiftung erläuterte, warum sich seine Stiftung an Projekten wie SAM OWL beteiligt. Es gehe darum, Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen in Ostwestfalen-Lippe zu fördern, und dazu gehöre auch der Rückenwind für besonders Begabte, obwohl die Hauptstoßrichtung in Richtung Defizit-Ausgleich geht. So hat sich die Stiftung die Durchführung oder Unterstützung von Bildungs-, Qualifizierungs- und Erziehungsmaßnahmen, insbesondere für Hauptschüler und Hauptschulabgänger einschließlich Unterstützung von deren Eingliederung in das Berufsleben zum Ziel gesetzt. Aber Hochbegabten-Förderung sei durchaus ein Thema in einem Land, in dem die Resource Brain das wichtigste Vorkommen ist. Rund eine Million Euro gebe seine Gesellschaft pro Jahr in Ostwestfalen-Lippe unter vier Förderungskategorien aus.

Unter den interessierten Besuchern: Rainer Menze, Dezernent der Bezirksregierung für Mathematik. Die teilnehmenden Schulen: Grabbe-Gymnasium, Leopoldinum, Stadtgymnasium, aber auch das Hermann-Vöchting-Gymnasium aus Blomberg, das städtischen Gymnasium Horn-Bad Meinberg, die Carla-Raveh-Gesamtschule Lemgo und andere, die ich an dieser Stelle vergessen habe [sorry !]

Das launigste Resümée lieferte Mathe-Lehrer Stephan Rieche: »Für mich war es spannend, mal mit Kindern zu arbeiten, die Spaß an Mathe haben.« Sehen wir das mal realistisch: Das ist im Unterrichtsalltag nicht immer und überall der Fall. Cool

 Stellvertretende Schulleiterin Gundel Niemeyer begrüßt die mathematisch begabten Schüler und ihre Eltern in der Alten Aula des Grabbe-Gymnasiums. Hören besonders interessiert zu: Mathelehrer Stephan Rieche (5. von links) und seine Sitznachbarn Dr. Burkhard Lehmann und Mathe-Dezernent Rainer Menze. Ein Klick auf die Fotos vergrößert sie beträchtlich.