Grabbe-Gymnasium Detmold

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Austausch Israel


Beyond the border

6. Schüleraustausch in Israel: Kultur und Alltagsleben kennenlernen

Von Kristina Panchyrz (Text) & Eva Lettermann (Fotos)

25 Schülerinnen und Schüler nahmen zusammen mit ihren Lehrerinnen Kristina Panchyrz und Eva Lettermann am zehntägigen Schüleraustausch nach Maccabim-Re'ut in Israel teil. Nach der ersten Begegnung in Detmold im Herbst 2017 lagen die Schwerpunkte nun auf dem Kennenlernen der israelischen Kultur und des Alltagslebens, der Geschichte und heutigen Gedenkkultur in Israel und besonders auf dem Israel-Palästina-Konflikt.

Geschichte und Gedenken

Eine Tagestour in den Norden führte zunächst zum ersten Holocaustmuseum, dem Ghetto Fighters‘ House Museum in Lohamei Haghetaot, gegründet von Holocaust-Überlebenden. Die besondere Geschichte und Gründung des Museums und Diskussionen während der Führung. z.B. zu den „Gerechten unter den Völkern“, „Euthanasie“ oder dem Eichmann-Prozess, ermöglichten den Schülerinnen und Schülern einen intensiven Einblick in den Umgang mit der Geschichte seitens der israelischen Gesellschaft und darüber hinaus.
Mehrere Programmpunkte des Austausches thematisierten die Geschichte Israels, damit verbunden die Begegnung, der Austausch und das Zusammenleben, aber auch Konflikte unterschiedlicher Kulturen und Religionen. In der Kreuzfahrerstadt Akko wurde die Geschichte christlich-jüdisch-islamischer Begegnungen und Konflikte thematisiert. Mit dem Auftrag durch die Guide, auf die Gemeinsamkeiten, nicht auf die Unterschiede zu achten,  tauchten die Schülerinnen und Schüler in die Geschichte der Kreuzfahrer an authentischen Orten ein. Die Altstadt von Jerusalem lernten die Schülerinnen und Schüler in ihrer Vielfalt und ihrem Widerspruch kennen: Eng aneinander leben und wirken Vertreter dreier monotheistischer Weltreligionen, die diese Stadt als „heilig“ bezeichnen, welche gleichzeitig das Zentrum komplexer Konflikte ist. Ein weiterer als „heilig“ bezeichneter und von Christen, Juden und Muslims verehrter Ort ist die Taufstelle Jesu am Jordan, der Fluss, der die Grenze zwischen Israel und Jordanien markiert, lediglich durch ein Seil und ein Schild gekennzeichnet, wodurch die Schülerinnen und Schüler die widersprüchliche Situation von Gleichzeitigkeit von Nähe und Ferne spürten. In Massada lernten die Schülerinnen und Schüler neben der Rekonstruktion der Geschichte des Ortes die symbolische Bedeutung für das heutige Israel kennen, die Begründung eines Mythos mit den Schlagworten „Nie wieder darf Massada fallen“ bezogen auf den Selbstbehauptungswillen und die Widerstandskraft des jüdischen Volkes und israelischen Staates. Während des Studientages in Yad Vashem, der eine Führung durch das Museum, das Children‘s Memorial und das Valley of the Community beinhaltete, vertieften die Schülerinnen und Schüler ihre Kenntnisse über den Holocaust, wobei die Individuen durch persönliche Gegenstände, Fotos und Schriftdokumente im Vordergrund gestellt wurden. In der „Halle der Namen“ wurde vielen Schülerinnen und Schülern zum ersten Mal richtig bewusst, wie viele einzelne Menschen hinter all den Zahlen stehen und dass mit jedem dieser Menschen eine eigene Geschichte erzählt wird. Über die Erfahrung im Kindermemorial schreibt eine Teilnehmerin des Austausches: „Dies hat mich am ganzen Tag und vielleicht sogar in der gesamten Zeit, die wir in Israel hatten, am meisten beeindruckt und gleichzeitig berührt. Nach dem Eintritt in die 'Höhle' wurde es sofort komplett still und alles war so schwarz, dass man nichts mehr sehen konnte. Erst nach ein paar Schritten, hat man langsam das Kerzenlicht und dessen unzählige Spiegelungen gesehen und auch wieder eine Stimme gehört; es wurden Kindernamen mit ihren Geburtsorten und dem Alter, in welchem sie gestorben sind, genannt, ansonsten konnte man nur die Schritte der anderen Menschen hören.“

Israel-Palästina-Konflikt

Grenzen begegnen und Grenzen überwinden ist ein zentrales Thema in Israel und bei der  gegenwärtigen Situation der israelischen Schülerinnen und Schüler ein täglicher Begleiter. Ein persönlicher und sehr ergreifender Vortrag des israelischen Lehrers Moti am Rabin Memorial, der den Schülerinnen und Schülern die Brutalität, aber auch die Komplexität des Konfliktes mit Folgen, die jeder einzelne Israeli spürt, nahe brachte, bildete den Fokus des Tages in Tel Aviv. Die politische Struktur und die Regierung wurden während eines Besuchs des Supreme Courts und einem Gang zur Knesset erläutert, wodurch die Schülerinnen und Schüler einen Eindruck der aktuellen Politik erhielten. Während eines Studientages in Givat Haviva, an dem die Schüler und Schülerinnen die Arbeit des Jüdisch-Arabischen Zentrums für Frieden kennenlernten und entlang der Grünen Linie der geteilten Stadt Bata‘a geführt wurden, vertieften sie anschaulich vor Ort ihr bisher erlangtes Wissen über den Israel-Palästina-Konflikt.

Die deutsch-israelische Austauschgruppe in Givat Haviva

Um die Situation Jerusalems besser zu verstehen, erhielten wir die Möglichkeit, mit der Pfarrerin Gabriele Zander in der Auguste Victoria-Stiftung auf dem Mount Scopus Gespräche über die Situation der Christen in Jerusalem und der Palästinenser in Ost-Jerusalem zu führen.

Die deutsche Gruppe in der Altstadt von Jerusalem

Bei all der dialogorientierten Verständigungsarbeit wurde das aktive Miteinander nicht aus dem Blick verloren. Daher unternahmen wir bei der Fahrt in die Negev-Wüste gemeinsame Wanderungen, führten erlebnispädagogische Programme durch und stärkten somit das gegenseitige Vertrauen und die bereits bestehenden Freundschaften aktiv und nachhaltig für die Zukunft. Gewonnene Erfahrungen konnten in lockerer Gesprächsatmosphäre am Lagerfeuer im Beduinencamp ausgetauscht und mögliche Zukunftsperspektiven diskutiert werden.