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zurück zur Vernunft

Reise zu einem fernen Planeten

Von Hajo Gärtner (Text/Videoclip)

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, behauptet der Volksmund zutreffend. Ein Bild kann nicht nur sprechen, es kann ganze Geschichten erzählen und neue Phantasiewelten erzeugen. Kunstlehrerin Beate Schalk hat das mit der Klasse 6s ausprobiert. Ausgangspunkt: Das Kunstwerk Retour à la Raison (Rückkehr zur Vernunft) von Man Ray aus dem Jahr 1939.

Dabei war aber weniger das Thema »Vernunft« interessant, wohl aber die Rückkehr: Denn es hat keinen Zweck, sich in Traumwelten zu verlieren, wie Leonardo Dicaprio das zurzeit im Kinofilm »Inception« so eindruckvoll vorführt. Das Bild von Man Ray hat in der Tat eine ähnliche Verführungskraft wie die Inception-Traumarchitektur: Es lädt dazu ein, sich auf verschiedensten Pfaden in die N-Dimensionalität von Fantasieräumen hineinsaugen zu lassen und seinen eigenen Weg durchs Reich der Möglichkeiten zu finden.

Wie dem auch sei: Die Schüler bekamen den Auftrag, einen Pfad zu finden und mit dem Schreiben zu beginnen. Alles aufschreiben, was dir bei der Fantasiereise durch den Kopf geht. Wörter, Satzfragmente, Sätze. Gehts mal nicht weiter, dann einfach das letzte Wort oder den letzten Gedanken wiederholen, bis der neue Geistesblitz da ist. Einige nennen das Verfahren »automatisches Schreiben«, aber eigentlich wirkt sich hier keine Automatik aus, sondern unbewusste Schichten drängen zu Wort.

Wenn ein überraschender Text generiert ist, bedeutet das noch lange nicht das Ende der Reise. Nun muss sie in Handlung umgesetzt werden. Wenn mehrere Köpfe zusammen handeln, kann eine Choreografie entstehen. Und das ist genau passiert: Die Schüler entwickelten Handlungssequenzen als Konsequenz aus Sätzen, die insgesamt in die Richtung einer Reise auf einen fernen Planeten hinausliefen.

Ich habe versucht, diese Fantasiereise optisch und akkustisch ein bisschen zu illustrieren. Es gibt im Clip wenig Sprache, weil die Sätze von der Videokamera leider nicht deutlich genug eingefangen worden sind.  Aber die Sätze treten in ihrer Bedeutung ohnehin klar hinter die symbolischen Handlungen zurück. Sie waren schließlich nur der Ausgangspunkt, nicht das Ziel. Und so ist eine Performance in der Neuen Aula entstanden: nach »Grabbe von unten«, »Zeit« und »Hüte« die vierte Perle in der Kette.